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Sätze zum Weiterdenken

Sätze zum Weiterdenken:

 

Platon: Eigentlich möchte ich keines von beiden; wenn es aber unvermeidlich wird, Unrecht zu tun oder Unrecht zu leiden, dann würde ich es viel lieber leiden als tun.

 

Mani Matter:

was unsere väter schufen

war

da sie es schufen neu

bleiben wir später

den vätern

treu

schaffen wir neu

 

Kant: Ich finde nicht, dass irgendeine Anhänglichkeit, oder sonst eine vor der Prüfung eingeschlichene Neigung meinem Gemüte die Lenksamkeit nach allerlei Gründen für oder dawider benehme, eine einzige ausgenommen. Die Verstandeswaage ist doch nicht ganz unparteiisch, und ein Arm derselben, der die Aufschrift führet: Hoffnung der Zukunft, hat einen mechanischen Vorteil, welcher macht, dass auch leichte Gründe, welche in die ihm angehörige Schale fallen, die Spekulationen von an sich größerem Gewicht auf der andern Seite in die Höhe ziehen.

Tolstoi: Wenn der Apfel reif ist und vom Baume fällt — warum fällt er? Weil sein Gewicht ihn zur Erde zieht? Weil sein Stengel vertrocknet ist? Weil er in der Sonne dürr geworden ist? Weil er zu schwer ist? Weil der Wind ihn abschüttelt? Weil der Knabe, der unter dem Baum steht, ihn gern essen möchte?

Franz Klammer: Mit Denken kumst nit weit.

Paul Valéry: Die Mischung von wahr und falsch ist falscher als das Falsche.

C. G. Jung: Was das heranwachsende Kind am stärksten beeinflusst, ist der besondere, affektive Zustand, der seinen Eltern und Erziehern vollkommen unbewusst ist.

Lichtenberg: Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber soviel kann ich sagen, es muss anders werden, wenn es gut werden soll.

 

Günther Eich: Alles, was geschieht, geht dich an.

 

 

Shakespeare

Das Leben ist ein Schatten, ein Schmierenkomödiant,

Der seinen kurzen Auftritt wohl oder über bestreitet

Und dann für immer abtritt. Das Leben ist ein Märchen,

Das ein Idiot erzählt, voll Schall und Rauch,

Das aber nichts bedeutet.

 

Rilke

Solang du Selbstgeworfnes fängst, ist alles

Geschicklichkeit und lässlicher Gewinn — ;

erst wenn du plötzlich Fänger wirst des Balles,

den eine ewige Mitspielerin

dir zuwarf, deiner Mitte, in genau

gekonntem Schwung, in einem jener Bögen

aus Gottes großem Brückenbau:

erst dann ist Fangen ein Vermögen, —

nicht deines, einer Welt.

 

 

Jimmy Carter: Wer sagte, das Leben sei fair?

Max Ernst: Die Frage, "wie" es gemacht wird, ist für Handwerker. Das "Warum" ist das Entscheidende.

Kant: Ein Mensch kann zwar für seine Person und auch alsdann nur auf einige Zeit, in dem, was ihm zu wissen obliegt, die Aufklärung aufschieben; aber auf sie Verzicht tun, es sei für seine Person, mehr aber noch für seine Nachkommenschaft, heißt die heiligen Rechte der Menschheit verletzen und mit Füßen treten.

Paul Eluard: Die Liebe ist der unvollendete Mensch.

 

 

Brecht

Der, den ich liebe

Hat mir gesagt

Dass er mich braucht.

Darum

Gebe ich auf mich acht

Sehe auf meinen Weg und

Fürchte von jedem Regentropfen

Dass er mich erschlagen könnte.

 

 

Rosa Luxemburg: Ich fühle mich auf der ganzen Welt zuhause, wo es Wolken, Vögel und Menschentränen gibt.

 

Schiller

Nicht was lebendig kraftvoll sich verkündigt,

Ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz

Gemeine ist's, das ewig Gestrige,

Was immer war und immer wiederkehrt

Und morgen gilt, weils gestern hat gegolten!

Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht,

Und die Gewohnheit nennt er seine Amme.

 

 

 

Isaac Bashevis Singer: Ich sage mir noch immer, dass es weder für die Qualen des ausgehungerten Wolfes noch für die des verwundeten Schafes eine Rechtfertigung gibt und auch keine geben kann.

Shams-e-Queis: O König! Du musst wissen, dass das Schreiben von Versen einer der schwersten Fehler eines Königs und die übelste Angewohnheit eines Monarchen ist, denn sie gründet sich auf gemeinste Übertreibung und zügellose Ausschweifung. Daher haben die großen Philosophen in den Versdichtern die Ursache für die Zerstörung früherer Königreiche und vergangener Nationen gesehen.

Henry Ford: Entschuldige dich nie, erkläre nie etwas.

Ernest Rutherford: Wissenschaft ist entweder Physik oder Briefmarkensammeln.

Alexander von Humboldt: Habt Ehrfurcht vor dem Baum, er ist ein einziges großes Wunder, und euren Vorfahren war er heilig. Die Feindschaft gegen den Baum ist ein Zeichen der Minderwertigkeit eines Volkes und von niedriger Gesinnung des Einzelnen.

 

Antoine de Saint-Exupéry: Mensch sein heißt Verantwortung fühlen; sich schämen beim Anblick einer Not, auch wenn man offenbar keine Mitschuld an ihr hat.

 

 

Goethe

Ein Kerl, der spekuliert,

ist wie ein Tier, auf dürrer Heide

von einem bösen geist im Kreis herumgeführt,

und ringsumher liegt schöne, gründe Weide.

 

Albert Einstein: Zwei Dinge sind unendlich: Das Weltall und die Dummheit der Menschen. Beim Weltall ist es nicht ganz sicher.

Grillparzer: Der Der Weg der neuern Bildung geht von Humanität durch Nationalität zur Bestialität.

Max Liebermann: Nur der Schein trügt nicht.

Jurek Becker: Es herrscht ein Gesetz, das nach meiner Beobachtung von Jahr zu Jahr strikter zur Geltung kommt: Widerspruch wird bestraft, Anpassung belohnt. Es ist dies das Grundgesetz der massenweisen Produktion von Opportunismus.

Gottfried Keller: Jeder möchte frei sein und ganz, ein voller Mensch, ein Mann der Tat durch das Leben schweifen, ohne Vormundschaft und ohne Rücklehne, nach allen Seiten seine vorteilhafteste Seite herauskehren, nur durch eine geschworne Gleichheit seine kühnsten Wünsche beschränkend.

Erasmus: Wenn der Satz stimmt, dass alles Alte gut ist und alles Neue schlecht, so folgt daraus, dass alles Alte einmal schlecht war und alles Neue einmal gut sein wird.

Lichtenberg: Derjenige Ureinwohner Amerikas, der als erster den Kolumbus erblickte, machte eine böse Entdeckung.

Leibniz: Wenn die Geometrie unseren Leidenschaften und gegenwärtigen Interessen so entgegenstände wie die Moral, würden wir sie nicht weniger bestreiten und verletzen, trotz aller Beweise des Euklid und des Archimedes, die man als Träume behandeln würde, im Glauben, sie seien voller Trugschlüsse.

Pierre-Joseph Proudhon: Eigentum ist Diebstahl.

Pestalozzi: Wahrheit und Recht haben für den Menschen nur insofern einen wirklichen Wert, als er sich aus Wahrheit und Recht etwas macht.

Gotthelf: Nimmer dürfen wir es vergessen, dass die Kraft bei uns im Einzelnen liegt und jedes einzelnen Wiege das Haus ist, während andere Völker die Kraft in der Masse suchen und der Masse Kraft in ihrer Größe und ihrer Verkittung.

 

Günther Eich

Zuversicht

In Saloniki

Weiß ich einen, der mich liest,

und in Bad Nauheim.

Das sind schon zwei.

 

Milan Kundera: Der Kampf des Menschen gegen die Macht ist der Kampf des Gedächtnisses gegen das Vergessen.

Henri-Frédéric Amiel: Alles Einseitige, alles Parteiische verletzt mich ebenso wie alles, was falsch, fehl am Platz und ohne rechtes Maß ist. Alles, was von Voraussetzungen abhängt, alles, was anders sein kann, hat über meinen Geist keine Macht. Das Gefühl des Absoluten, des Vollkommenen, des Idealen, des vollständigen begleitet mich immer, selbst ohne mein Wissen.

Daher scheint mir gerade das, was die Leute beachtenswert, wichtig, wesentlich nennen, vom Format der Kleinigkeiten, und umgekehrt finde ich, dass es keine Kleinigkeiten gibt. Die Erde ist ein Sandkorn, und ein Sandkorn ist eine kleine Welt: es kommt auf den Standpunkt an.

Ich bin also frei vom Aberglauben der Größe und Zahl, unabhängig von der Geschichte; ich bin in kei-nes der nationalen, örtlichen, beruflichen Gehege eingesperrt. Das ist das Vorrecht der Unpersönlichkeit.

Klaus Schlesinger: Mit einem Mal kam ich von der Frage nicht mehr los: Ist der Denunziant eines Denunzianten ein Denunziant?

Robert Walser: Die Großen sind nicht durch sich selbst groß, sondern durch die andern, durch alle die, denen es ein Entzücken bereitet, sie als groß zu erklären. Durch vieler Leute Würdelosigkeit entsteht diese eine, überragende Ehre und Würde. Durch vieler Leute Kleinheit und Feigheit entsteht diese auf einem Punkt aufgehäufte Summe von Größe und durch vieler Leute Verzicht auf Macht diese gewaltige Macht. Ohne Gehorsam ist der Befehlshaber und ohne den Diener ist der Herr nicht möglich.

Johann Peter Hebel: Ein Knabe klagte seiner Mutter: ªDer Vater hat mich geschlagen!´

Da kommt der Vater dazu und sagt: ªLügst du schon wieder? Willst du noch eine?´

 

Lessing

Der Aberglaub', in dem wir aufgewachsen,

Verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darum

Doch seine Macht nicht über uns. — Es sind

Nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten.

 

Pablo Picasso: Ich fürchte mich vor dem Fertigen.

 

Mani Matter

Dene wos guet geit

giengs besser

giengs dene besser,

wos weniger guet geit,

was aber nid geit,

ohni dass dene

weniger guet geit,

wos guet geit.

Drum geit weni

für das es dene

besser geit, wos weniger guet geit,

und drum gats au

dene nid besser,

wos guet geit.

 

Rilke: Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir gerade noch ertragen.

Gottlob Frege: Der Philosoph verwendet die Sprache wie der Segler den Wind: Er braucht den Wind, um mithilfe des Windes gegen den Wind zu fahren.