

„Man weicht der Welt nicht sicherer aus als durch die Kunst, und man verknüpft sich nicht sicherer mit ihr als durch die Kunst“: Was Goethe damit meint, versteht jeder, der sich in ein gutes Buch vertieft. Dadurch nehmen wir einen Standpunkt ein, der uns die Welt neu und übersichtlich vor die Augen führt.
Im Deutschunterricht lesen wir Texte, die vertraut oder fremd wirkende Erfahrungen zum Inhalt haben. Darüber redend, werden wir uns unserer eigenen Anschauungen bewusst und realisieren, dass vieles gar nicht so selbstverständlich ist, wie wir meinen. Es muss anderen und oft auch uns selbst erklärt werden, was nicht immer einfach ist.
Deshalb lernen und üben wir, uns mündlich wie schriftlich angemessen und verständlich auszudrücken. Wir untersuchen und erproben gängige Kommunikationsformen. Das weckt und schärft das Bewusstsein für jene Feinheiten, die über das Gelingen eines Dialogs entscheiden. Offenheit, Kreativität und Flexibilität des Geistes sind weitere Faktoren, die es zu entwickeln gilt.
Dafür setzen wir uns mit Autoren verschiedener Kulturen und Epochen auseinander. Das fördert auch die Sensibilität, die im Umgang mit Dichtung nötig ist. Durch sie haben wir Teil an einer Tradition, die den Sinn des Unsagbaren schätzt und zur Einsicht verhilft, die Hesse so formuliert: „Wir ziehen die Grenzen unserer Persönlichkeit immer viel zu eng! Wir rechnen zu unserer Person immer bloss das, was wir als individuell unterschieden, als abweichend erkennen. Wir bestehen aber aus dem ganzen Bestand der Welt, jeder von uns.“
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