Kurzrezension im Tages-Anzeiger vom 25.11.2008
Ein Klavierabend
Im französischen Menu bringt der Plat de Résistance die Entscheidung: Bei diesem Hauptgang zeigt es sich, ob die Gäste mit dem Essen zufrieden sind, oder ob sie es ablehnen. Die Pièce de Résistance ist dasselbe in der Kunst. Mit diesem Stück bricht man den Widerstand der Kritik, dieses Stück widersteht aller Mäkelei. Dieses Stück gelingt immer!
Aber wenn dieses Stück wider Erwarten den Gästen zuwider ist? Leistet das Publikum dann Widerstand gegen die Vorführung? Und wenn: Widersteht dann das Theaterstück den Anfechtungen? Widerstehen die Schauspieler den Widerständen des Publikums? Widersteht die Regie den Widerständen der Schauspieler? Widerstehen die Schauspieler den Zwängen der Regie, des Stücks, des Publikums? Widerstehen sie den Anmutungen der Kultur, der Bildung, der Erziehung, der Dressur? Oder widersteht etwa das Stück dem Gespielt-, Verstanden-, Genossen-Werden? Vielleicht will es nicht verschlungen werden, nicht begriffen, analysiert, verdaut? Widersteht es sogar sich selber, indem es sich gar nicht zu einem Stück machen lässt, weder zu einem Klavierabend noch zu einem Drama? Und wenn: Wird es trotzdem zu einer Pièce de Résistance, einer Vorführung, die immer gelingt?
Entscheiden Sie selbst: Stolz präsentieren wir Ihnen unseren Klavierabend! Er wurde von 23 SchauspielerInnen komponiert, in vielen Improvisationen gegart, von erfahrenen Köchinnen und Köchen gewürzt und wird Ihnen serviert vom Theater Hohe Promenade! B
Bon Appétit!